Startseite >> Werkstatt >> Testberichte >> E 92.7 
Modellkritik der E 92 von Scholz
 

Die E 92 79 in Dittersbach
E 92 79

Durch Zufall entdeckte ich beim Stöbern in einem großen Internetauktionshaus diese Modell von Scholz. Bis dahin war mir nur das Modell von Metropolitan bekannt, welches ich zuletzt 1995 im Laden sah.
Inzwischen, Anfang 2004 gibt es eine Neuauflage von Westmodel, dem eigentliche Produzenten des Fahrzeuges.


Das Modell im Verkaufszustand

Äußeres Aussehen
Auf den ersten Blick ist das Vorbild gut wiedergegeben, die charakteristischen Eigenheiten sind vorhanden.
Die Farbgebung allerdings macht mich nicht wirklich glücklich. Das graue Dach entspricht dem preußischen Farbschema, der Lokkasten dagegen wurde in RAL 6020, dem DB-Grün gespritzt, welches viel zu hell ist.
Die Beschriftung besteht nur aus Schiebebildern, was vorbildwidrig ist, wie ein Vergleich mit dem Vorbildfoto zeigt.
Positiv fällt auf, daß die Lüfter und Klappen sehr sauber geätzt sind, der gute Eindruck wird gemindert durch die Tatsache, daß die Tür des Packabteils schief hängt und obendrein das Gehäuse an der Stelle etwas geschrumpft aussieht. Die Dachstromabnehmer sind Massenware, wahrscheinlich ältere Teile von Sommerfeldt, sie werde ich wohl tauschen.
Mißt man das Modell nach stellt sich heraus, daß es zu lang ist. Ebenfalls stimmt der Achsstand nicht und die Räder sind zu klein.
Ursache dafür ist das verwendete

Fahrwerk.
Dieses ist, da die Lok ursprünglich für Wechselstromanlagen gebaut wurde, ein Teil einer Märklinlokomotive.
Der Hersteller benutzte das Triebwerk der E 94 von Märklin und das bedingt sie Abweichungen.
So beträgt beim Vorbild der Achsstand:
 
E 92.7 1800 2270
E 94 2150 2450

Demzufolge hat die E 92 4070 mm, die E 94 ganze 4600 mm, als 530 mm zu viel. Auf H0 umgerechnet, ist der Achsstand einer Lokhälfte um 6 mm zu groß. Vorausgesetzt, Märklin hat exakt maßstäblich gebaut.
Der Raddurchmesser der E 92.7 ist für deutsche Verhältnisse einmalig, 1300 mm. Das sind in 1:87 genau 14,95 mm. Die Räder der E 94 sind nur 1240 mm im Durchmesser, im Modell aber nicht 14,3, sondern nur 14 mm. Ursache sind die größeren Spurkränze der Märklinloks.
Ein insgesamt 12 mm zu großer Achsstand, das ist schon eine gewaltige Abweichung, nun muß der Käufer wissen, ob ihm ein brauchbares Fahrgestell wichtiger ist als ein Kleinserienfahrwerk, dessen Fahreigenschaften mitunter miserabel sind.

Fahrverhalten
Der Antrieb erfolgt, wie bei solchen Märklinloks, nur über eine Lokhälfte. Die andere Hälfte läuft leer mit und erzeugt ein blechernes Scheppern bei Unebenheiten.
Ein echtes Urteil über das Fahrverhalten kann ich nicht ehrlichen Gewissens abgeben, da die Lok vor dem Test auf Zweileiter-Gleichstrom umgebaut wurde. Auch ersetzte ich den dreipoligen Anker durch einen Fünfpoler und ersetzte die Erregerspule durch einen Konradmagneten. Weiter bekam die Lokomotive einen Digitaldecoder, genauer den ESU-Lokpiloten DCC.
Die CV 5 (Höchstgeschwindigkeit) auf 20 gesetzt, die Lastregelung nach den Vorgaben von ESU eingestellt, stimmt die Höchstgeschwindigkeit und auch die Langsamfahreigenschaften sind akzeptabel. Allerdings ist die Beschleunigung nicht optimal, was sich hoffentlich mit etwas "Feintuning" am Decoder beseitigen läßt.

Die Geräuschentwicklung des Motors ist lästig, auch mit ausreichender Schmierung beleidigt das Heulen die Ohren des faulhaberverwöhnten Modellbahners. Man kann sich allerdings damit trösten, daß der Tatzlagerantrieb des Vorbildes ähnlich geklungen haben mag.

Zugkraft und Leistung
Die Lok ist relativ leicht und ob sie die Leistung des Vorbildes auf einer 20 Promille-Steigung (500 Tonnen oder knapp 20 beladene O-Wagen) bringt, muß ich noch ermitteln.
Durch die verwendeten vier Haftreifen und den konstruktiven Vorteil, den die E 92.7 gegenüber der Märklin E 94 hat (keinen Brückenrahmen, der sich zum Teil auf dem nichtangetriebenen Gestell abstützt) und der Möglichkeit, weitere Bleichgewichte nachzurüsten, hat das Lokmodell auf jeden Fall noch Potential.

Fazit

Insgesamt habe ich bei der Bewertung des Modells ambivalente Gefühle. Während mich die Existenz einer billigen Alternative (eBay [2003] 310 Euro) zum Metropolitan-Modell der E 92.7 (Handel zuletzt 1990 DM, eBay mindestens 700 Euro) oder auch der Neuauflage von Westmodel (Bausatz ab 424.-) erfreut, so unglücklich macht mich der Märklinantrieb wie auch die Lackierung.
Ersteres ist für rund 70 Euro durch einen Umbausatz von SB-Modellbau zu beseitigen, auch werde ich die Spurkränze noch auf RP25 abdrehen, die Lackierung habe ich auf jeden Fall geändert.
Bis dahin werde ich mich eines abschließenden Urteils enthalten.

Die EG 579 beschriftet und gealtert


Startseite Fahrzeuge Elektrolokomotiven  
Kontakt