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Modellkritik
E 91.8 von Roco

E 91
Die E 91 von Roco gehört m.E. zu den sogenannten Brot- und Butter-Modellen. Vom Vorbild wurden immerhin 34 Maschinen gebaut, die im Vergleich zu anderen Elloks hohe Stückzahl und die gelungene Konstruktion lassen heute den Modellbahner das Fahrzeug in drei verschiedenen Epochen einsetzen.
Seit rund 30 Jahren ist die E 91 nun auf dem Markt und erlebte neben Herstellerwechsel auch einige Umbauten und Modernisierungen. Die einzelnen Modellausführungen habe ich bei der Modellbeschreibung aufgeführt, an dieser Stelle werde ich mich kurz zur Brauchbarkeit der Lokomotive äußern. Sicher ist es nicht ganz fair, ein Modell 30 Jahre nach dem Erscheinen einem Test zu unterziehen, aber mangels einer Alternative kann man sich mal ansehen, wie gut die Lok in die heutige Zeit paßt.


E 91.8 von Roco, fast im Originalzustand
Äußeres Aussehen
Geliefert wurde die E 91 in verschiedenen Ausführung, die wichtigste ist dabei die E 91 88 in der Ausführung der Epoche IIb. Die Proportionen und Abmessungen sind gut getroffen, auch nach drei Jahrzehnten gefällt mir die Ausführung und Gravur des Gehäuses, die Kopfteile wurden anfangs der 90er neu angefertigt. Nicht so überzeugend sind heute die Griffstangen am Führerstand und die Lampen, da gibt es inzwischen weit bessere Lösungen. Abweichend von Fotos aus Schlesien hat die E 91 88 an der Stirnwand Aufstiege, wohl um dem Personal die Erreichbarkeit der Signalleuchte zu ermöglichen. Positiv anzumerken ist, daß Roco bei dieser DRG-Lok die Signalleuchte unbeleuchtet läßt.
Die Dachaufbauten wirken glaubhaft, die Farbe der Isolatoren ist dagegen nicht so überzeugend, Dachfarbe und Stromabnehmer dagegen sind in Silbergrau korrekt wiedergegeben. Die Gehäusefarbe entspricht dem Vorbild mit RAL 6008, die Beschriftung ist lesbar aufgedruckt, einzelne Schilder zum Aufkleben lagen der Lok bei.
Die Farbgebung des Fahrwerks ist unbefriedigend. Die schwarzen Rahmen- und Anbauteile glänzen wie nur Kunstoff glänzen kann und die Räder sind in Feuerrot statt in rotbraun, RAL 8012 gehalten. Räder, bzw Speichen und Kuppelstangen liegen auch heute noch im Mittelfeld der allgemeinen Angebote. Von vielen Kunden bemängelt ist das Fehlen einer Kurzkupplungkulisse und einer Schnittstelle für den Decoder.
Empfehlenswert ist eine Lackierung von Fahrwerk und Rädern, dann ist die Lok von der Optik durchaus brauchbar und kann in mehreren Exemplaren eingesetzt werden. Nimmt man diese Arbeiten vor, können auch gleich die Spurkränze abgedreht werden oder es werden Tauschradsätze von MP eingebaut. Das geht aber nicht in jedem Falle problemlos, wenn die Tauschradsätze keine Zahnräder mitbringen, sind nicht alle Fahrwerke geeignet. Und damit zum nächsten Thema.

Fahrwerk und Antriebe
Mir sind drei Antriebskonzepte bekannt, somit sind die folgenden Ausführungen für alle E 91 gültig. Die älteste, noch von Röwa stammende Ausführung hat einen dreipoligen Mittelmotor, über die bekannte und berüchtigte Roco-Feder wird die Kraft auf das Blockgetriebe und von dort über Zahnräder auf alle Treibräder übertragen. Damit verrichten die Kuppelstangen keine Treibarbeit, sind nur Zierde und konnten filigraner ausfallen als bei späteren Modellen. Schmiergefäße, Kuprbelzapfen und Stangen sind hier ziemlich gut getroffen, der mittlere Radsatz ist nicht gekuppelt und das Zapfenloch läuft nur hinter der Kuppelstange mit.
Die Optik ist bei dieser Konstruktion zu würdigen, nachteilig sind dabei aber die durch das Getriebe verursachten Geräusche. Auch gibt es einige Fahrzeuge mit dieser Feder, die ein recht sprunghaftes Fahrverhalten zeigen, meist wenn die Getriebe nicht mehr exakt arbeiten. Insgesamt ist meine E 91 mit dieser Fahrwerksausführung die lauteste, mit viel Jaulen und Heulen bewegt sich die E 91 über die Anlage. Weil die Blindwelle über die Zahnräder angetrieben ist, lässt sich hier mit Tauschkuppelstangen und schmalen RP25-Radsätzen recht einfach das Fahrwerk umstellen.

Der Motor und die Kupplung der E 91, frühe Roco-Ausführung.

Das Treibgestell mit abgenommener Bodenabdeckung.
Von der Blindwelle wird die Kraft auf die Treibräder verteilt.
Die zweite Antriebsvariante
1982 erschien die Lok erstmalig mit Metallkuppelstangen, 1990 erschien die Variante mit Silikonschlauch statt der Spiralfeder. Eine Schwungmasse sorgt für besseren Auslauf und ein ausgeglicheneres Fahrverhalten, ein festsitzender Schlauch überträgt die Kraft schon besser als die Feder, der schräggenutete Standard-Fünfpoler von Roco läuft ruhiger und besser als der alte Dreipoler. Eine Getriebeüberarbeitung sorgt dafür, daß nun nur noch  jeweils die erste Treibachse angetrieben wird, Blindwelle und die übrigen Achsen werden durch die Kuppelstangen mitgenommen. Zwar verschwindet damit das Geräusch des vielräderigen Getriebes, aber nun müssen die Räder exakt ausgerichtet sein und auch die Kuppelstangen genau gefertigt werden.
Die Stromabnahme bei der dieser Ausführung ist ebenfalls verbessert, nun wird auch von den Achsen C und D der Strom aufgenommen.

Die Variante mit Silikonschlauch, hier an einem verbesserten Modell.

Das veränderte Getriebe.
Die letzte Variante
der E 91 gibt es seit 1995, der Silikonschlauch wurde durch ein ein Kardangelenk ersetzt, am Getriebe hat sich nichts geändert. Bis auf die wegen falscher Materialien fehlerhaften Kugelgelenke, die Roco/ Salzburg kostenlos ersetzt hat, ist dies die ausgereifteste Antriebs-Konstruktion. Die Räder sind brüniert und ebenfalls noch einmal überarbeitet worden so daß der Radreifen nicht mehr so wuchtig erscheint. Ein Farbtupfer auf die Achsen wäre schön, kommt aber beim notwendigen Umlackieren der Räder von allein.


Die letzte Variante mit Kardanwellen

Das Getriebe entspricht der vorherigen Version.
Zugkraft und Leistung

Die Leistungsfähigkeit der E 91 ist befriedigend, sie ist in der Lage vorbildgetreue Güterzüge über nicht allzu steile Strecken zu ziehen. Im Vergleich zur E 91 von Märklin bringt die Rocolok das doppelte auf einer 6%igen Rampe.
Sie läuft auch über kritische Weichenstraße entgleisungsicher, mit abgedrehten Spurkränzen allerdings zeigt sich die Version mit Silikonschlauch am empfindlichsten gegenüber Gleisunebenheiten im Bogen. Die Geräuschentwicklung fällt je nach Version unterschiedlich aus, aber auch unter den Loks mit Kardangelenken ist die Streuung recht groß. Im Laden sollte man sich deshalb mehrere Loks zeigen lassen. Insgesamt ist das Fahrverhalten gut, kommt aber natürlich nicht an moderne Konstruktionen ran.

Fazit

Mit der E 91 88 gibt es ein sehr wichtiges schlesisches Ellokmodell, Detaillierung und Fahreigenschaften sind für ein Grundmodell gut, Möglichkeiten für Verbesserungen gibt es einige. Für rund 150 Euro (neu) bzw. unter 100 Euro (eBay) bekommt man die verschiedenen Versionen bereits. M.E. kann man sich von der E 91 88 auch mehrere, dann umzunummernde Exemplare anschaffen (Ostmodel, Gaßner, Kusawa, Menge) um einen vorbildgetreueren Betrieb zu gestalten. Bereuen muß man das eigentlich nicht.


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